
JAHRESBERICHT
2025
HAUS HARMONIE
Titelbild: Oliver Dübi, Bewohner Haus Harmonie

Vorwort
Es war ein ganz gewöhnlicher Mittagstisch im Frühjahr 2025.
Wir sprachen über die Sommerferien – wie in jedem Jahr. Tessin oder Norditalien, die vertraute Frage. Da sagte einer unserer langjährigen Bewohner, fast beiläufig: «Mein Traum wäre es, noch einmal das Meer zu sehen.» Eine kurze Stille. Dann eine Bewohnerin auf der anderen Seite des Raums: «Ich habe das Meer noch nie gesehen.»
Aus diesem Moment ist ein Jahresthema geworden.
Nicht weil wir geplant hätten, über Träume nachzudenken. Sondern weil dieser Satz etwas ausgelöst hat – Gespräche, Fragen, Abklärungen, und schliesslich im Spätsommer 2025 einen Flug nach Rhodos. Gemeinsam. Mit allem, was dazugehört: Vorbereitung, Vereinbarungen, Unsicherheiten und viel Mut.
Dieser Jahresbericht erzählt davon. Von grossen und kleinen Träumen. Von Wegen, auf denen sie greifbarer wurden. Und von Momenten, in denen wir Träume gemeinsam neu denken mussten – weil nicht jeder Traum sofort umsetzbar ist, aber jeder es verdient, gehört zu werden.
Träume verschwinden nicht mit Krankheit, Sucht oder Alter. Sie verändern sich. Und es bleibt unsere Aufgabe, ihnen aufmerksam zuzuhören.
Team Haus Harmonie

Bericht der Geschäftsleitung
Träume brauchen Raum. Nicht nur im übertragenen Sinn – sondern ganz konkret: Zeit, Aufmerksamkeit und manchmal auch Mut. Das Jahresthema 2025 ist deshalb kein dekoratives Motiv für diesen Bericht, sondern eine Haltung, die unsere Arbeit im vergangenen Jahr geprägt hat.
Wer bei uns wohnt – und was das bedeutet
Zum Jahresende 2025 lebten 13 Personen im Haus Harmonie, weitere 8 in Wohnexternaten. Was diese Zahl nicht zeigt: wie unterschiedlich die Menschen sind, die den Alltag im Haus Harmonie ausmachen. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner mit langen Suchtbiografien und zunehmendem Pflegebedarf. Jüngere Menschen mit komplexen psychiatrischen Diagnosen, die nach einer anderen Lebensform suchen. Menschen, die schon viele Jahre bei uns sind. Und Menschen, die gerade erst ankommen.
Diese Durchmischung ist anspruchsvoll – und gleichzeitig eine der grössten Stärken des Haus Harmonie. Wir erleben täglich, wie unterschiedliche Lebenserfahrungen und Generationen voneinander lernen, sich reiben, sich überraschend nahekommen.
Was uns 2025 beschäftigt hat
Ein Schwerpunkt lag auf der medizinischen Versorgung. Unser Ziel ist klar: Wir möchten den Bewohnerinnen und Bewohnern der Harmonie – besonders den älteren – ermöglichen, so lange wie möglich in ihrem Zuhause zu bleiben. Dafür braucht es eine stabile, gut eingebettete medizinische Begleitung direkt im Haus. Im vergangenen Jahr haben wir intensiv daran gearbeitet, diese Lücke zu schliessen.
Ein weiteres Thema war die Frage der Ausbildung: Im letzten Quartal 2025 haben wir begonnen zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen wir perspektivisch eine Lehrstelle anbieten könnten. Eine Praktikantin, die uns dieses Jahr begleitet hat, hat diese Frage lebendig gemacht – und gezeigt, dass unser Setting sowohl herausfordernd als auch lehrreich sein kann.
Und dann war da der Umbau und damit viele finanzielle Fragen. Im Sommer 2026 werden wir als erstes die Küche renovieren. Gleichzeitig planen wir, den Garten stärker einzubeziehen und ihn bewusst mit der Küche zu verknüpfen. Räume, die Entwicklung ermöglichen können, sind mehr als Architektur und müssen multiperspektivisch durchdacht werden.

Loslösung klingt nach innerer Arbeit, nach Veränderung, nach einem bewussten Schritt in eine neue Richtung. Doch bereits im gewöhnlichen Alltag zeigt sich Loslösung in kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Momenten: beim Aufstehen am Morgen, bei der Körperpflege, beim Reinigen des Fussbodens oder beim Füttern unserer Schweinchen.
Loslösung im Alltag bedeutet für unsere Bewohner*innen oft, sich von Vorstellungen zu verabschieden, die sie lange mit sich getragen haben. Es bedeutet, sich auf neue Erfahrungen einzulassen, auf andere Menschen und auf strukturierte Abläufe, auch wenn diese anfangs fremd oder sinnlos erscheinen.
Ein Beispiel dafür ist die Reinigung als Teil unserer Tagesstruktur. Im Alltag eines Wohnheims scheint das Thema Reinigung auf den ersten Blick ganz pragmatisch: Böden sollen sauber, Zimmer einigermassen ordentlich sein und die Duschen sollen regelmässig benutzt werden. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell, dass Reinigung weit mehr als nur ein Ämtli ist. Es ist ein Spiegel von Selbstverantwortung.
Für viele unserer Bewohner*innen ist Reinigung und Hygiene keine Selbstverständlichkeit. Wer lange Zeit mit psychischen Belastungen, Suchtproblematiken oder dem Verlust eines strukturierten Alltags gelebt hat, hat oft auch den Bezug zu grundlegenden Bedürfnissen wie Körperpflege, Hygiene und Ordnung verloren.
Reinigungsaufgaben sind dann nicht bloss Tätigkeiten, sondern Konfrontationen mit der eigenen Geschichte, mit Scham, mit Überforderung oder mit dem Gefühl, keine Kontrolle zu haben.
Auch in unserem Atelier sind unsere Bewohner*innen mit der Thematik Loslösen konfrontiert. Es geht nicht nur ums Basteln, Malen oder Gestalten, sondern manchmal auch darum, sich von Leistungsdruck oder Selbstabwertung zu lösen und ohne Druck und Angst Neues auszuprobieren.
Für uns als Betreuungspersonen bedeutet dies in der Zusammenarbeit mit unseren Bewohner*innen, genau hinzuhören und hinzusehen. Es bedeutet auch, eigene Vorstellungen davon, wie sauber, richtig oder schön etwas zu sein hat, loszulassen. Was für uns normal oder selbstverständlich wirkt, kann für jemanden anderen eine Zumutung oder eine scheinbar unüberwindbare Hürde darstellen. Loslösung zeigt sich bei uns im Alltag in vielen Formen: Wir lösen uns von Idealen, von Perfektion, von festen Erwartungen. Stattdessen üben wir uns im Kompromiss, im Aushalten von Unvollkommenheit und gleichzeitig darin, Verantwortung nicht einfach abzunehmen, sondern gemeinsam tragbar zu machen. Reinigung beispielsweise wird so zu einem gemeinsamen Aushandlungsprozess:
Wo können wir motivieren, wo zumuten, wo akzeptieren?

Persönlich
An die Bewohnerinnen und Bewohner der Harmonie
Ihr habt uns dieses Jahr etwas gezeigt, das wir nicht vergessen werden.
Dass ein einziger Satz an einem Mittagstisch ein ganzes Jahr in Bewegung bringen kann. Dass Träume nicht verschwinden, wenn das Leben schwierig wird – sie werden leiser, manchmal, oder verändern ihre Form. Aber sie sind da.
Wir haben in diesem Jahr versucht, genauer hinzuhören. Nicht nur auf das, was ihr braucht – sondern auf das, was ihr euch wünscht. Das ist nicht immer dasselbe. Manche Träume konnten wir gemeinsam angehen: kleine Schritte im Alltag, Veränderungen in der Tagesstruktur, eine eigene Wohnung, eine Reise, die lange unmöglich schien. Andere mussten wir gemeinsam neu denken – weil der Zeitpunkt nicht stimmte, weil die Kräfte fehlten, weil manche Wünsche auch uns an unsere Grenzen gebracht haben.
Beides gehört dazu. Und beides zeigt, dass ihr euch traut, mit uns zu sprechen – über das, was war, was ist, und was noch kommen könnte.
Danke dafür.
Caroline Gerster und Hassib Rasuli
An das Team Haus Harmonie
Was ihr täglich leistet, ist selten planbar und noch seltener einfach. Ihr begleitet Menschen in Momenten, die viel Fingerspitzengefühl verlangen – und tut das mit Haltung.
Auch ihr habt Träume. Sie heissen vielleicht nicht «eine eigene Wohnung», sondern viel mehr «Zeit für Beziehungsgestaltung», «ein Team, das sich unterstützt», «Rahmenbedingungen, die unserer Arbeit gerecht werden». Das Jahr 2025 hat gezeigt, dass ihr bereit seid, neue Wege mitzugehen – und gleichzeitig standhaft zu bleiben, wo Grenzen wichtig sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Danke für euer Vertrauen und euren Einsatz.
Caroline Gerster und Hassib Rasuli

An unsere Netzwerkpartnerinnen und -partner, Fachpersonen und Freundinnen und Freunde des Haus Harmonie
Dass Menschen mit komplexen Suchterkrankungen und psychischen Beeinträchtigungen langfristig, würdevoll und in einem echten Zuhause begleitet werden können – das gelingt nicht alleine. Es braucht euch: die zuweisenden Stellen, die Fachärztinnen und Fachärzte, die Therapeutinnen und Therapeuten, die Behörden, den Vorstand, die Angehörigen und alle, die im Hintergrund mitdenken und mittragen.
Ihr helft uns, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen unsere Bewohnerinnen und Bewohner mehr sind als ihre Diagnosen. Dafür sind wir dankbar – und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.
Caroline Gerster und Hassib Rasuli

Medizin und Pflege
Gesundheit ist nicht das Ziel. Sie ist die Voraussetzung, damit anderes wieder möglich wird.
Im Haus Harmonie nimmt die medizinische und pflegerische Begleitung einen wichtigen Platz ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden älter, körperliche Einschränkungen nehmen zu, der Pflegebedarf steigt. Menschen, die seit vielen Jahren im Haus Harmonie leben, ihr Rentenalter erreicht haben, sollen so lange wie möglich hier bleiben können – in einem vertrauten Umfeld, mit Menschen, die sie kennen. Auch hier entstanden im Jahr 2025 viele Fragen: Wie lange ist so lange wie möglich? Was würden wir uns wünschen in dieser Situation?
Was haben wir an unserem konzept konkret verändert? In allen bereichen konkrete veränderungen gegeben hat wassr, trainingsübungen, gehübungen, ….ist es unsere aufgabe dann den übergang zu unterstützen?....was kann man 2026 tun um das vertraute nicht zu verlieren aber bedarfsgerechtere umgebung an einem neuen ort zu erschaffen…
Spannungsfeld für 2026
So lange wie es geht angebot.. was dann? 2026…Was ist bedarfsgerecht…was können wir abdecken, wie können wir andere untrstützen, um unsere bewohnr*innen als anschlusslösung begleiten zu können? Vorurteile abbauen, evtl. netzwerk ausarbeiten? Evtl. gemeinsam ausbauen…
«ich träume davon…
Und wann ist der Tag gekommen, an welchem Träume an einem anderen Ort Raum finden? Und wie können wir diese Übergänge begleiten? Vielleicht wird das Jahr 2026 in diesem Punkt eine weitere Herausforderung zwischen Träumen und Möglichkeiten hervorrufen. (keine anschlussmöglichkeiten junkies dies das altrsheim politik scheiss….)….v
Die Pflegefachperson ist im Haus Harmonie die zentrale Ansprechperson für alle medizinischen Anliegen. Sie koordiniert mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten, der Spitex und einer externen Psychiaterin, die regelmässig ins Haus kommt. Im Jahr 2025 haben wir intensiv daran gearbeitet, diese medizinische Einbettung zu stärken und langfristig zu sichern – weil wir wissen, dass Würde im Alter auch mit guter Gesundheitsversorgung zu tun hat.

Persönlich
Das Jahr 2025 hat in unseren Bereichen seine Spuren hinterlassen – manchmal als Erfolg, manchmal als Herausforderung, manchmal als beides gleichzeitig. Der Geschirrspüler, der überlief. Die Schweinchen, die wieder einmal ausbüxt waren. Der Tisch im Atelier, der zum dritten Mal umgestellt werden musste. Und mittendrin: Menschen, die gemeinsam nach Lösungen gesucht haben, gelacht haben, manchmal die Geduld verloren und sie wieder gefunden haben.
Genau das ist es, was unsere Angebote ausmacht. Nicht die perfekte Durchführung – sondern das, was im Tun entsteht. Gemeinschaft. Selbstwirksamkeit. Und manchmal, fast unbemerkt, ein kleiner Traum, der Form annimmt.
Betreuung
Wir begleiten Menschen – nicht Diagnosen.
Im Haus Harmonie leben Menschen, deren Lebensgeschichten kaum unterschiedlicher sein könnten. Manche sind seit wenigen Monaten bei uns, andere seit vielen Jahren. Manche kommen mit dem Ziel, irgendwann wieder eigenständig zu leben. Andere kommen, um zu bleiben. Was alle verbindet: Sie bringen ihren ganz eigenen Rucksack mit – und wir nehmen ihn ernst und holen Menschen dort ab, wo sie sind – nicht dort, wo wir sie gerne hätten.
Das Bezugspersonensystem
Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat zwei feste Bezugspersonen im Team – erste Ansprechpersonen in sämtlichen Angelegenheiten. Sie kennen die Biografie, sie begleiten durch Krisen und stabilere Phasen, sie koordinieren mit Ärzt*innen, Spitälern und Angehörigen. Und sie sind diejenigen, die fragen: Was brauchst du? Was wünschst du dir? Was ist dein nächster Schritt?
Für ältere Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das vor allem Kontinuität – jemanden zu haben, der bleibt. Für jüngere ist die Bezugsperson oft Sparringspartner*in: Welche Träume sind realistisch? Welche Schritte sind dran? Wie ordnen wir Rückschläge ein?
Nebst der individuellen Begleitung gibt es regelmässige Gruppengefässe – Haussitzungen, Feedbackgespräche, Freizeitgruppen – die das Gemeinschaftsleben stärken und den sozialen Austausch fördern.
Unterschiedliche Lebensphasen - unterschiedliche Träume
Ein Tagesplan, der für eine 70-jährige Person sinnvoll ist, kann für eine 30-jährige wie Stillstand wirken. Umgekehrt kann ein hoher Aktivitätsdruck ältere Bewohnerinnen und Bewohner überfordern. Betreuung heisst für uns, diese Spannungen zu sehen – und ihnen nicht mit einem Einheitskonzept zu begegnen.
Ältere Bewohnerinnen und Bewohner träumen oft leiser: weniger Schmerzen, ein stabiler Alltag, vertraute Gesichter, ein Ort, an dem sie so sein dürfen, wie sie sind. Für manche ist der grösste Traum, nicht mehr umziehen zu müssen. Jüngere wünschen sich häufiger eine eigene Wohnung, Arbeit, Partnerschaft – eine andere Rolle als «Bewohnerin» oder «Bewohner». Sie hoffen, dass die Harmonie ihnen hilft, wieder ins Leben zu kommen.
Beide Träume verdienen denselben Respekt. Und beide verlangen eine Betreuung, die zuhört, bevor sie antwortet.
Träume als gemeinsame Sprache
Unser Jahresthema hat uns 2025 etwas Unerwartetes geschenkt: eine gemeinsame Sprache. Die Frage «Wovon träumst du eigentlich?» öffnet Türen, die andere Fragen verschlossen lassen. Sie erlaubt, über Wünsche zu sprechen, ohne sofort Ziele festzuschreiben. Sie macht sichtbar, wo jemand innerlich abgeschlossen hat – und wo noch Hoffnung ist.
Manchmal führt das zu konkreten Schritten. Manchmal «nur» zu einem ausgesprochenen Wunsch, der dennoch etwas verändert – weil er gehört wurde.


Wohnen
Ein Zimmer ist zuerst nur ein Raum. Mit der Zeit wird er zu etwas anderem.
Im Haus Harmonie wohnen Menschen in sehr unterschiedlichen Lebensphasen – manche seit wenigen Monaten, andere seit vielen Jahren. Für einige ist das Haupthaus in Langenbruck eine Zwischenstation: ein geschützter Ort, um sich zu stabilisieren, Alltagskompetenzen aufzubauen und schrittweise auf ein eigenständigeres Leben hinzuarbeiten. Für andere ist es ein dauerhaftes Zuhause – ein Ort, der Sicherheit gibt, vertraute Gesichter, einen geregelten Alltag.
Diese zwei Pole prägen das Wohnen im Haus Harmonie auch 2025. Sie verlangen unterschiedliche Antworten: Für die einen braucht es Begleitung in Richtung mehr Freiheit und Eigenverantwortung. Für die anderen braucht es die Gewissheit, bleiben zu dürfen – so wie sie sind, mit allem, was sie mitbringen.
Das Haupthaus bietet 15 Zimmer, die individuell gestaltet werden können. Wer über genügend Eigenständigkeit verfügt, kann nach einem Jahr im Haupthaus in eine betreute Wohnung oder Wohngemeinschaft in der Nähe wechseln – und behält dabei die Anbindung ans Haus. Ein Schritt nach draussen, der getragen wird. Und wichtig: Diese Möglichkeit ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Auch Menschen in der Lebensmitte oder später können diesen Weg gehen – dann, wenn die Zeit stimmt.
Im Jahr 2025 ist dieser Schritt zwei Bewohnerinnen und Bewohnern gelungen. Eine von ihnen hat es so beschrieben: Nach Jahren habe sie endlich wieder das Gefühl, dass etwas ihr gehört. Dass sie wieder Autonomie hat. Dieser Satz sagt mehr über das, was wir uns im Haus Harmonie wünschen, als jede Zielbeschreibung.
Tagesstruktur
Was wäre ein Tag ohne Rhythmus – und was wäre er ohne Überraschung?
Viele der Menschen, die im Haus Harmonie leben, haben irgendwann den Faden verloren – zu Abläufen, zu sich selbst, zur Gemeinschaft. Eine klare Tagesstruktur hilft, diesen Faden wiederzufinden. Nicht als Kontrolle, sondern als Halt. Nicht als Einschränkung, sondern als Grundlage, auf der etwas wachsen kann.
Die Tagesstruktur im Haus Harmonie ist vielfältig und wird gemeinsam gestaltet. Sie besteht aus festen Angeboten und Freiräumen, aus Arbeit und Erholung, aus Gemeinschaft und individuellem Rückzug. Was alle Bereiche verbindet: die Überzeugung, dass sinnvolle Beschäftigung mehr ist als Zeitvertreib – sie gibt Würde, Selbstwirksamkeit und manchmal auch den Mut, sich etwas zu wünschen.
Kreativ-Atelier und Werkstatt
Manche Dinge entstehen. Andere werden repariert. Manchmal passiert beides im selben Raum.
Das Atelier und die Werkstatt befinden sich im selben Gebäude – und das passt gut. Denn was sie verbindet, ist mehr als Räumlichkeiten: In beiden Räumen entsteht etwas mit den Händen. Im Atelier wird gebastelt, gemalt, gespielt, gelesen, dekoriert – jeden Morgen, begleitet von einer kreativen Fachperson, ohne Leistungsdruck und ohne falsche Erwartungen. In der Werkstatt wird geschraubt, gestrichen, repariert und erhalten – von Bewohnerinnen und Bewohnern, die mit Eigeninitiative einen Ort des gemeinsamen Handelns aufgebaut haben.
2025 brachte unsere Praktikantin frischen Wind ins Atelier – neue Ideen, neue Dekorationsvorschläge, eine andere Energie. Nicht alle waren sofort begeistert. Manche Bewohnerinnen und Bewohner begegneten den Neuerungen mit gesunder Skepsis – und entdeckten dann doch Freude an den Resultaten. Der Raum war zeitweise so gut besucht, dass die Tische regelmässig umgestellt werden mussten. Ein schönes Problem.


Garten
Rosie und Häppy haben 2025 mehrfach bewiesen, dass sie eigene Pläne und Wünsche haben.
Der weitläufige Garten rund ums Haus ist je nach Jahreszeit ein anderer Ort – und genau das macht ihn besonders. Im Frühjahr wird gepflanzt, im Sommer gemäht und geerntet, im Winter geschaufelt. Wer möchte, versorgt die Hausschweinchen Rosie und Häppy – theoretisch jedenfalls. Praktisch haben die beiden 2025 gleich mehrfach die Freiheit vorgezogen. Ihre Ausbrüche haben das ganze Haus mobilisiert: Zaun konstruieren, Schweinchen einfangen, von vorne. Nicht ohne Aufwand – aber auch nicht ohne Lachen.
Küche und gemeinsame Mahlzeiten
Jeden Morgen und jeden Mittag sitzen alle zusammen. Das ist mehr als Essen.
Die Küche ist das Herz des Haus Harmonie – ein Ort, an dem täglich etwas entsteht, das alle verbindet: eine gemeinsame Mahlzeit. Frisch gekocht, mit saisonalen und wenn möglich regionalen Zutaten. Bewohnerinnen und Bewohner, die Freude am Kochen haben, können aktiv mitarbeiten – begleitet vom Team, ohne Druck, aber mit echtem Anteil am Ergebnis.
2025 war für die Küche ein besonderes Jahr – und ein anstrengendes. Der Geschirrspüler lief gefühlt wöchentlich über, der alte Backofen verlangte Geduld, ein Wasserschaden sorgte für unfreiwillige Abwechslung. Improvisieren war Pflicht, Ersatzteile wurden zur Währung des Alltags. Und doch – oder vielleicht gerade deshalb – ist in dieser Küche viel entstanden. Man hat gemeinsam nach Lösungen gesucht, gelacht, sich geärgert und weitergemacht.
Im Sommer 2026 wird die Küche renoviert. Es wird Zeit. Und wir werden ihr – nach all den Jahren, all den Mahlzeiten, all den kleinen Katastrophen – einen würdigen Abschied geben.
Reinigung
Ein gepflegtes Haus ist kein Selbstläufer. Es braucht Menschen, denen es wichtig ist.
Täglich kümmern sich Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam mit dem Hauswirtschaftsverantwortlichen darum, dass das Haus Harmonie sauber, einladend und gepflegt bleibt. Was auf den ersten Blick wie eine Pflicht wirkt, ist in der Praxis mehr: ein Beitrag zur Gemeinschaft, eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, und für manche ein erster Schritt hin zu Fähigkeiten, die später im eigenen Zuhause gebraucht werden.
Im Reinigungsbereich arbeiten Menschen mit sehr unterschiedlichen Ausgangspunkten zusammen – manche bringen viel Erfahrung mit, andere lernen neu. Beides hat seinen Platz.
2025 hat uns einmal mehr gezeigt, wie viel in diesen alltäglichen Strukturen steckt – und wie oft aus einem gewöhnlichen Morgen im Atelier, im Reinigungsteam, in der Küche oder einem Nachmittag im Garten etwas Unerwartetes entsteht.
Freizeitangebote
Manchmal braucht ein Traum einfach jemanden, der einen an die Hand nimmt.
Freizeitgestaltung im Haus Harmonie bedeutet mehr als Abwechslung. Sie bedeutet, gemeinsam Dinge zu erleben, die ausserhalb des Alltags liegen – und dabei zu merken, was möglich ist. Zum festen Jahresprogramm gehören Ausflüge wie Bowling, Go-Kart, Schwimmbadbesuche, die Basler Herbstmesse und der Europapark. Im Sommer lockt die dorfeigene Rodelbahn. Und jedes Jahr gibt es ein Sommerlager – ein Highlight, auf das viele im Haus schon Monate vorher hinfiebern.
2025 war das Sommerlager kein Lager im gewöhnlichen Sinn. Es war eine Reise.
Rhodos, 27. August - 4. September 2025
Die Vorbereitungen liefen über Monate. Medizinische Abklärungen, Vereinbarungen, Absprachen – und die eine grosse Frage, die im Raum stand: Schaffen wir das? Mit dieser Gruppe, mit diesem Aufwand, mit dem Flugzeug?
Am 27. August 2025 stand die Antwort fest: Ja.
Die Reise begann bereits am Flughafen Basel – mit dem letzten Gate des Terminals und einer Gruppe, die natürlich noch schnell rauchen wollte. Was folgte, war ein Sprint zum Flugzeug. Angekommen in Rhodos, wurde die Gruppe von der Familienpension in Faliraki empfangen – und von Anfang an mit einer Herzlichkeit aufgenommen, die niemand erwartet hatte. Die Pensionsfamilie schaute besonders auf die älteren Bewohnerinnen und Bewohner, kaufte extra Wasser ein, fuhr die Gruppe mit ihrem grossen Bus in die Altstadt und organisierte einen griechischen Abend für uns.
Die Woche war voll: Rhodos-Stadt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus, eine Bootsfahrt nach Lindos, der Besuch eines Tierparks, ein Bootsausflug durch Buchten und Höhlen, Strand- und Pooltage. An den gemeinsamen Abendessen wurde tränengelacht. Ein Bewohner war so begeistert vom Schnorcheln, dass er einen Bootskapitän fast zur Vollbremsung zwang. Die Affen im Tierpark sprangen auf unsere Schultern und Köpfe.
Und dann war da der Moment, auf dem die ganze Reise beruhte: Er stand im Meer. Etwas wacklig auf den Beinen – aber strahlend und glücklich.
ERFOLGSRECHNUNG
BILANZ



BILANZ
BERICHT DER REVISIONSSTELLE



Haus Harmonie
Schöntalstrasse 19
4138 Langenbruck
062 390 02 35
Spendenkonto
CH44 8080 8001 7173 2805 2
Texte von Hassib Rasuli, Caroline Gerster, Meret Schreiber, Onur Gazel
