
JAHRESBERICHT
2025
HAUS HARMONIE
Titelbild: Bewohner*innen Haus Harmonie

Vorwort
Es war ein ganz gewöhnlicher Mittagstisch im Frühjahr 2025.
Wir sprachen über die Sommerferien – wie in jedem Jahr. Tessin oder Norditalien, die vertraute Frage. Da sagte einer unserer langjährigen Bewohner, fast beiläufig: «Mein Traum wäre es, noch einmal das Meer zu sehen.» Eine kurze Stille. Dann eine Bewohnerin auf der anderen Seite des Raums: «Ich habe das Meer noch nie gesehen.»
Aus diesem Moment ist ein Jahresthema geworden.
Nicht weil wir geplant hätten, über Träume nachzudenken. Sondern weil dieser Satz etwas ausgelöst hat – Gespräche, Fragen, Abklärungen, und schliesslich im Spätsommer 2025 einen Flug nach Rhodos. Gemeinsam. Mit allem, was dazugehört: Vorbereitung, Vereinbarungen, Unsicherheiten und viel Mut.
Dieser Jahresbericht erzählt davon. Von grossen und kleinen Träumen. Von Wegen, auf denen sie greifbarer wurden. Und von Momenten, in denen wir Träume gemeinsam neu denken mussten – weil nicht jeder Traum sofort umsetzbar ist, aber jeder es verdient, gehört zu werden.
Träume verschwinden nicht mit Krankheit, Sucht oder Alter. Sie verändern sich. Und es bleibt unsere Aufgabe, ihnen aufmerksam zuzuhören.
Team Haus Harmonie

Bericht der Geschäftsleitung
Träume brauchen Raum. Nicht nur im übertragenen Sinn – sondern ganz konkret: Zeit, Aufmerksamkeit und manchmal auch Mut. Das Jahresthema 2025 ist deshalb kein dekoratives Motiv für diesen Bericht, sondern beschreibt eine Haltung, die unsere Arbeit im vergangenen Jahr geprägt hat.
Wer bei uns wohnt – und was das bedeutet
Zum Jahresende 2025 lebten 13 Personen im Haus Harmonie, weitere 8 in Wohnexternaten. Was diese Zahl nicht zeigt: wie unterschiedlich die Menschen sind, die den Alltag im Haus Harmonie ausmachen. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner mit langen Suchtbiografien und zunehmendem Pflegebedarf. Jüngere Menschen mit komplexen psychiatrischen Diagnosen, die nach einer anderen Lebensform suchen. Menschen, die schon viele Jahre bei uns sind. Und Menschen, die gerade erst ankommen. Diese Durchmischung ist anspruchsvoll – und gleichzeitig eine der grössten Stärken des Haus Harmonie. Wir erleben täglich, wie unterschiedliche Lebenserfahrungen und Generationen voneinander lernen, sich reiben, sich überraschend nahekommen.
Was uns 2025 beschäftigt hat
Ein Schwerpunkt lag auf der medizinischen Versorgung. Unser Ziel ist klar: Wir möchten den Bewohnerinnen und Bewohnern der Harmonie – besonders den älteren – ermöglichen, so lange wie möglich in ihrem Zuhause zu bleiben. Dafür braucht es eine stabile, gut eingebettete medizinische Begleitung direkt im Haus. Im vergangenen Jahr haben wir intensiv daran gearbeitet, diese Lücke zu schliessen.
Ein weiteres Thema war die Frage der Ausbildung: Im letzten Quartal 2025 haben wir begonnen zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen wir perspektivisch eine Lehrstelle anbieten könnten. Eine Praktikantin, die uns dieses Jahr begleitet hat, hat diese Frage lebendig gemacht – und gezeigt, dass unser Setting sowohl herausfordernd als auch lehrreich sein kann.
Und dann war da der Umbau und damit viele finanzielle Fragen. Im Sommer 2026 werden wir als erstes die Küche renovieren. Gleichzeitig planen wir, den Garten stärker einzubeziehen und ihn bewusst mit der Küche zu verknüpfen. Räume, die Entwicklung ermöglichen können, sind mehr als Architektur und müssen multiperspektivisch durchdacht werden.

Was uns die Fachwelt zeigt – und was wir im Alltag erleben
Die Schweizer Suchthilfe befindet sich auch 2025 im Wandel. Nationale Berichte zeigen: Suchtverläufe werden komplexer, Mehrfachdiagnosen und chronische Verläufe nehmen zu, gleichzeitig verschiebt sich vieles in Richtung ambulanter Angebote. Was das in der Praxis bedeutet, erleben wir täglich – die Bewohnerinnen und Bewohner der Harmonie werden älter, ihre körperlichen Einschränkungen nehmen zu, und der Bedarf an langfristiger, gut vernetzter Begleitung wächst. Die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen halten mit dieser Realität nicht immer Schritt. Das bleibt eine der grossen Herausforderungen für Einrichtungen wie das Haus Harmonie.
Was wir dem entgegensetzen: ein Haus, das nicht nur versorgt, sondern begleitet. Ein Team, das nicht nur reagiert, sondern zuhört. Und ein Jahresthema, das genau das verkörpert – die Überzeugung, dass Träume nicht verschwinden, wenn das Leben schwierig wird. Dass sie sich verändern. Und dass es sich lohnt, ihnen nachzugehen.
Wovon wir träumen
Wir träumen davon, dass das Haus Harmonie ein Ort bleibt, in dem Menschen mit zunehmendem Unterstützungsbedarf so lange wie möglich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. Von Räumen, die Entwicklung ermöglichen – einer Küche und einem Garten als Herzstücke des Alltags, weiteren Tieren im Garten, einer Tagesstruktur, die sowohl Halt als auch Freiheit bietet. Wir träumen davon, dass das Haus Harmonie für jüngere Bewohnerinnen und Bewohner ein echtes Sprungbrett sein kann – und für Fachpersonen ein Ort, an dem sie lernen und wachsen können.
Nicht alle diese Träume werden sich vollständig erfüllen lassen. Aber sie geben uns eine Richtung vor. Und solange wir gemeinsam in diese Richtung unterwegs sind, lohnt es sich weiterzumachen.
Caroline Gerster, Hassib Rasuli

Persönlich
Worte der Co-Leitung an Bewohner*innen, Team und Netzwerk
An die Bewohnerinnen und Bewohner der Harmonie
Ihr habt uns dieses Jahr etwas gezeigt, das wir nicht vergessen werden. Dass ein einziger Satz an einem Mittagstisch ein ganzes Jahr in Bewegung bringen kann. Dass Träume nicht verschwinden, wenn das Leben schwierig wird – sie werden leiser, manchmal, oder verändern ihre Form. Aber sie sind da.
Wir haben in diesem Jahr versucht, genauer hinzuhören. Nicht nur auf das, was ihr braucht – sondern auf das, was ihr euch wünscht. Das ist nicht immer dasselbe. Manche Träume konnten wir gemeinsam angehen: kleine Schritte im Alltag, Veränderungen in der Tagesstruktur, eine eigene Wohnung, eine Reise, die lange unmöglich schien. Andere mussten wir gemeinsam neu denken – weil der Zeitpunkt nicht stimmte, weil die Kräfte fehlten, weil manche Wünsche auch uns an unsere Grenzen gebracht haben. Beides gehört dazu. Und beides zeigt, dass ihr euch traut, mit uns zu sprechen – über das, was war, was ist, und was noch kommen könnte. Danke dafür.
An das Team Haus Harmonie
Was ihr täglich leistet, ist selten planbar und noch seltener einfach. Ihr begleitet Menschen in Momenten, die viel Fingerspitzengefühl verlangen – und tut das mit Haltung.
Auch ihr habt Träume. Sie heissen vielleicht nicht «eine eigene Wohnung», sondern viel mehr «Zeit für Beziehungsgestaltung», «ein Team, das sich unterstützt», «Rahmenbedingungen, die unserer Arbeit gerecht werden». Das Jahr 2025 hat gezeigt, dass ihr bereit seid, neue Wege mitzugehen – und gleichzeitig standhaft zu bleiben, wo Grenzen wichtig sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Danke für euer Vertrauen und euren Einsatz.

An unsere Netzwerkpartnerinnen und -partner, Fachpersonen und Freundinnen und Freunde des Haus Harmonie
Dass Menschen mit komplexen Suchterkrankungen und psychischen Beeinträchtigungen langfristig, würdevoll und in einem echten Zuhause begleitet werden können – das gelingt nicht alleine. Es braucht euch: die zuweisenden Stellen, die Fachärztinnen und Fachärzte, die Therapeutinnen und Therapeuten, die Behörden, den Vorstand, die Angehörigen und alle, die im Hintergrund mitdenken und mittragen.
Ihr helft uns, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen unsere Bewohnerinnen und Bewohner mehr sind als ihre Diagnosen. Dafür sind wir dankbar – und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.
Caroline Gerster, Hassib Rasuli


Unsere Angebote
Wo Alltag und Träume sich begegnen
Das Jahr 2025 hat in unseren Bereichen seine Spuren hinterlassen – manchmal als Erfolg, manchmal als Herausforderung, manchmal als beides gleichzeitig. Der Geschirrspüler, der überlief. Die Schweinchen, die wieder einmal ausgebüxt waren. Der Tisch im Atelier, der zum dritten Mal umgestellt werden musste. Und mittendrin: Menschen, die gemeinsam nach Lösungen gesucht haben, gelacht haben, manchmal die Geduld verloren und sie wieder gefunden haben. Genau das ist es, was unsere Angebote ausmacht. Nicht die perfekte Durchführung – sondern das, was im Tun entsteht. Gemeinschaft. Selbstwirksamkeit. Und manchmal, fast unbemerkt, ein kleiner Traum, der Form annimmt.
Betreuung
Wir begleiten Menschen – nicht Diagnosen
Im Haus Harmonie leben Menschen, deren Lebensgeschichten kaum unterschiedlicher sein könnten. Manche sind seit wenigen Monaten bei uns, andere seit vielen Jahren. Manche kommen mit dem Ziel, irgendwann wieder eigenständig zu leben. Andere kommen, um zu bleiben. Was alle verbindet: Sie bringen ihren ganz eigenen Rucksack mit – und wir nehmen ihn ernst und holen Menschen dort ab, wo sie sind – nicht dort, wo wir sie gerne hätten.
Das Bezugspersonensystem
Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat zwei feste Bezugspersonen im Team; erste Ansprechpersonen in sämtlichen Angelegenheiten. Sie kennen die Biografie, sie begleiten durch Krisen und stabilere Phasen, sie koordinieren mit Ärzt*innen, Spitälern und Angehörigen. Und sie sind diejenigen, die fragen: Was brauchst du? Was wünschst du dir? Was ist dein nächster Schritt?
Für ältere Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das vor allem Kontinuität – jemanden zu haben, der bleibt. Für jüngere ist die Bezugsperson oft Sparringspartner*in: Welche Träume sind realistisch? Welche Schritte sind dran? Wie ordnen wir Rückschläge ein?
Nebst der individuellen Begleitung gibt es regelmässige Gruppengefässe wie Haussitzungen, Feedbackgespräche und Freizeitgruppen, die das Gemeinschaftsleben stärken und den sozialen Austausch fördern.
Unterschiedliche Lebensphasen - unterschiedliche Träume
Ein Tagesplan, der für eine 70-jährige Person sinnvoll ist, kann für eine 30-jährige wie Stillstand wirken. Umgekehrt kann ein hoher Aktivitätsdruck ältere Bewohnerinnen und Bewohner überfordern. Betreuung heisst für uns, diese Spannungen zu sehen – und ihnen nicht mit einem Einheitskonzept zu begegnen. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner träumen oft leiser: weniger Schmerzen, ein stabiler Alltag, vertraute Gesichter, ein Ort, an dem sie so sein dürfen, wie sie sind. Für manche ist der grösste Traum, nicht mehr umziehen zu müssen. Jüngere wünschen sich häufiger eine eigene Wohnung, Arbeit, Partnerschaft – eine andere Rolle als «Bewohnerin» oder «Bewohner». Sie hoffen, dass die Harmonie sie dabei unterstützt, wieder ins Leben zu kommen.
Beide Träume verdienen denselben Respekt. Und beide verlangen eine Betreuung, die zuhört, bevor sie antwortet.
Träume als gemeinsame Sprache
Unser Jahresthema hat uns 2025 etwas Unerwartetes geschenkt: eine gemeinsame Sprache. Die Frage «Wovon träumst du eigentlich?» öffnet Türen, die andere Fragen verschlossen lassen. Sie erlaubt, über Wünsche zu sprechen, ohne sofort Ziele festzuschreiben. Sie macht sichtbar, wo jemand innerlich abgeschlossen hat – und wo noch Hoffnung ist.
Manchmal führt das zu konkreten Schritten. Manchmal «nur» zu einem ausgesprochenen Wunsch, der dennoch etwas verändert – weil er gehört wurde.

Medizin und Pflege
Gesundheit ist nicht das Ziel. Sie ist die Voraussetzung, damit anderes wieder möglich wird.
Im Haus Harmonie nimmt die medizinische und pflegerische Begleitung einen wichtigen Platz ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden älter, körperliche Einschränkungen nehmen zu, der Pflegebedarf steigt. Menschen, die seit vielen Jahren im Haus Harmonie leben, ihr Rentenalter erreicht haben, sollen so lange wie möglich hier bleiben können – in einem vertrauten Umfeld, mit Menschen, die sie kennen. Auch hier entstanden im Jahr 2025 viele Fragen: Wie lange ist so lange wie möglich? Was würden wir uns wünschen in dieser Situation?
Was haben wir an unserem konzept konkret verändert? In allen bereichen konkrete veränderungen gegeben hat wassr, trainingsübungen, gehübungen, ….ist es unsere aufgabe dann den übergang zu unterstützen?....was kann man 2026 tun um das vertraute nicht zu verlieren aber bedarfsgerechtere umgebung an einem neuen ort zu erschaffen…
Spannungsfeld für 2026


Medizin und Pflege
Gesundheit ist nicht das Ziel. Sie ist die Voraussetzung, damit anderes wieder möglich wird.
Im Haus Harmonie nimmt die medizinische und pflegerische Begleitung einen wichtigen Platz ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden älter, körperliche Einschränkungen nehmen zu, der Pflegebedarf steigt. Menschen, die seit vielen Jahren im Haus Harmonie leben, ihr Rentenalter erreicht haben, sollen so lange wie möglich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. Auch hier entstanden im Jahr 2025 viele Fragen: Wie lange ist so lange wie möglich? Was würden wir uns wünschen in dieser Situation? Wie können wir den pflegebedürftigeren Bewohner*innen gerecht werden, ohne dass die anderen Bereiche im Haus Harmonie zu kurz kommen?
Unsere Pflegefachperson, Goran, ist im Haus Harmonie die zentrale Ansprechperson für alle medizinischen Anliegen. Er koordiniert mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten, der Spitex und unserer Hauspsychiaterin. Im Jahr 2025 haben wir intensiv daran gearbeitet, diese medizinische Einbettung zu stärken und langfristig zu sichern.
Nebst diesen klassischen erforderlichen pflegerischen Massnahmen haben wir sowohl kognitive Aktivitäten als auch körperliche Trainingseinheiten in die anderen Bereiche der Tagesstruktur eingebaut. Während die jüngeren Bewohner*innen draussen auf dem Grill ein Feuer fürs Mittagessen entfacht und die Schweine mit Früchten aus dem Garten gefüttert haben, haben die älteren Bewohner*innen auf ihren Trainingsgeräten daneben an der frischen Luft ihre Beinmuskulatur gestärkt oder ein Sudoku gelöst. Ein Beispiel in welchem verschiedene Bereiche unserer Tagesstruktur vereint und der aktive Austausch zwischen den Bewohner*innen befördert wurde.
Wohnen
Ein Zimmer ist zuerst nur ein Raum. Mit der Zeit wird er zu etwas anderem.
Im Haus Harmonie wohnen Menschen in sehr unterschiedlichen Lebensphasen – manche seit wenigen Monaten, andere seit vielen Jahren. Für einige ist das Haupthaus in Langenbruck eine Zwischenstation: ein geschützter Ort, um sich zu stabilisieren, Alltagskompetenzen aufzubauen und schrittweise auf ein eigenständigeres Leben hinzuarbeiten. Für andere ist es ein dauerhaftes Zuhause – ein Ort, der Sicherheit gibt, vertraute Gesichter, einen geregelten Alltag. Diese zwei Pole prägen das Wohnen im Haus Harmonie auch 2025.
Das Haupthaus bietet 15 Zimmer, die individuell gestaltet werden können. Wer über genügend Eigenständigkeit verfügt, kann nach einem Jahr im Haupthaus in eine betreute Wohnung oder Wohngemeinschaft in der Nähe wechseln – und behält dabei die Anbindung ans Haus. Ein Schritt nach draussen, der getragen wird. Und wichtig: Diese Möglichkeit ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Auch Menschen in der Lebensmitte oder später können diesen Weg gehen – dann, wenn die Zeit stimmt.
2025 haben zwei Bewohnerinnen und Bewohner diesen Schritt geschafft. Eine von ihnen fasste es in einem Satz zusammen: Nach Jahren habe sie wieder das Gefühl, dass ihr etwas gehöre und sie endlich wieder Autonomie habe.

Tagesstruktur
Was wäre ein Tag ohne Rhythmus – und was wäre er ohne Überraschung?
Die Tagesstruktur im Haus Harmonie ist vielfältig und wird gemeinsam gestaltet. Sie besteht aus festen Angeboten und Freiräumen, aus Arbeit und Erholung, aus Gemeinschaft und individuellem Rückzug. Was alle Bereiche verbindet: die Überzeugung, dass sinnvolle Beschäftigung mehr ist als Zeitvertreib – sie gibt Würde, Selbstwirksamkeit und manchmal auch den Mut, sich etwas zu wünschen.
Kreativ-Atelier und Werkstatt
Träumen braucht keinen besonderen Rahmen.
In unserem Atelier reichen an gewissen Tagen ein gemeinsamer Tisch, bunte Farben, lebendige Gespräche und eine Frage über welche man in Stille nachdenken kann. Für alle, die es sich noch nicht genauer angeschaut haben: so ist das Titelbild dieses Jahresberichts entstanden. Doch nicht alle Tage sind so ruhig und nostalgisch. Nebst dem üblichen kreativen Wahnsinn wurde unsere gemächliche Atelierrunde 2025 durch das (sehr) laute Lachen unserer Praktikantin Kelly aufgemischt. Plötzlich konnte sich niemand mehr davor drücken, Fledermäuse für die Halloweendeko zu basteln oder bei Allgemeinwissensspielen mitzuraten. Veränderungen, die nicht überall auf offene Begeisterung stiessen. Skepsis gehörte zum Programm, doch am Ende überzeugten die Ergebnisse auch unsere grössten Zweifler*innen.
Eine Wand weiter herrscht bei uns anderes Treiben. Nicht nur unsere Küche, sondern auch unsere Türrahmen, unsere Aussengarnituren und unser Schweinestall sind in die Jahre gekommen. Lockere Schrauben, wacklige Bretter, spröde Sitzflächen und abgeblätterte Rahmen wurden 2025 durch die Bewohner mit handwerklichem Flair in unserer kleinen Werkstatt mit viel Leidenschaft bearbeitet und für die Gruppe zum Gebrauch wieder fit gemacht.
Garten
Rosie und Häppy haben 2025 mehrfach bewiesen, dass sie eigene Pläne und Wünsche haben.
Der weitläufige Garten rund ums Haus verändert sich mit den Jahreszeiten – und genau das macht ihn besonders. Im Frühjahr wird gepflanzt, im Sommer gemäht und geerntet, im Winter geschaufelt. Wer möchte, versorgt die Hausschweinchen Rosie und Häppy – theoretisch jedenfalls. Praktisch haben die beiden 2025 gleich mehrfach die Freiheit vorgezogen. Ihre Ausbrüche haben das ganze Haus mobilisiert: Zaun konstruieren, Schweinchen einfangen, von vorne. Nicht ohne Aufwand – aber auch nicht ohne Lachen.
Küche
Zweimal täglich trifft sich das ganze Haus an einem Tisch.
Um die Küche organisiert sich ein guter Teil des Alltags im Haus Harmonie: Morgens und mittags kommt zusammen, wer im Alltag manchmal auch getrennte Wege geht. Gekocht wird frisch, mit saisonalen und wenn möglich regionalen Zutaten. Wer Freude am Kochen hat, kann mitarbeiten – begleitet vom Team, ohne Druck, aber mit echtem Anteil am Ergebnis.
2025 war für die Küche ein besonderes Jahr – und ein anstrengendes. Der Geschirrspüler lief gefühlt wöchentlich über, der alte Backofen verlangte Geduld, ein Wasserschaden sorgte für unfreiwillige Abwechslung. Improvisieren war Pflicht, Ersatzteile wurden zur Währung des Alltags. Und doch – oder vielleicht gerade deshalb – ist in dieser Küche viel entstanden. Man hat gemeinsam nach Lösungen gesucht, gelacht, sich geärgert und weitergemacht.
Im Sommer 2026 wird die Küche renoviert. Es wird Zeit. Und wir werden ihr – nach all den Jahren, all den Mahlzeiten, all den kleinen Katastrophen – einen würdigen Abschied geben.


Reinigung
Nicht viele träumen davon, ein Badezimmer zu putzen. Und doch: Jeden Morgen findet sich im Haus Harmonie jemand, der genau das tut. Im Reinigungsteam trifft viel Erfahrung auf wenig Erfahrung, und beides braucht seinen Platz- und die Unterstützung von unserem Reinigungsverantwortlichen. Wer schon alles über Entkalker weiss, erklärt es demjenigen, der gerade erst gelernt hat, dass man Spiegel nicht mit dem Lappen abwischt, mit dem man eben noch den Boden gewischt hat. Dies war der Austausch im Reinigungsteam, den wir 2025 gefördert haben und 2026 weiter ausbauen möchten. Und manchmal reichen die üblichen Putzutensilien nicht aus. Als der Fitnessraum 2025 unter Wasser stand, waren keine Putzlappen gefragt, sondern Gummistiefel: Bewohnerinnen und Bewohner haben mit Eimern und viel Geduld das Wasser abgesaugt, geschrubbt und getrocknet, bis der Raum wieder benutzbar war. Im Haus Harmonie packt man auch an, wenn es nass, kalt und ungeplant ist.
Freizeitangebote
Manchmal braucht ein Traum einfach jemanden, der einen an die Hand nimmt.
Freizeitgestaltung im Haus Harmonie bedeutet nicht nur grössere Ausflüge wie der Besuch der Basler Herbstmesse oder des Europaparks. Genauso oft heisst es an einem gewöhnlichen Nachmittag gemeinsam ein Eis essen gehen, Gutzi backen oder einfach einen Spaziergang oder einen Badi-Ausflug machen, weil das Wetter gerade passt. Daneben stehen die kleineren, persönlicheren Momente: 2025 haben zwei Teammitglieder einen älteren Bewohner zu seinem Klassentreffen begleitet und mit ihm seine Familie besucht. Auch solche Begleitungen haben im Haus Harmonie platz. Und jedes Jahr gibt es ein Sommerlager – ein Highlight, auf das viele im Haus schon Monate vorher hinfiebern.
2025 war das Sommerlager kein Lager im gewöhnlichen Sinn. Es war eine Reise.
Rhodos
Die Vorbereitungen liefen über Monate. Medizinische Abklärungen, Vereinbarungen, Absprachen – und die eine grosse Frage, die im Raum stand: Schaffen wir das? Mit dieser Gruppe, mit diesem Aufwand, mit dem Flugzeug? Am 27. August 2025 stand die Antwort fest: Ja. Die Reise begann bereits am Flughafen Basel – mit dem letzten Gate des Terminals und einer Gruppe, die natürlich noch schnell rauchen wollte. Was folgte, war ein Sprint zum Flugzeug. Angekommen in Rhodos, wurde die Gruppe von der Familienpension in Faliraki empfangen – und von Anfang an mit einer Herzlichkeit aufgenommen, die niemand erwartet hatte. Die Pensionsfamilie schaute besonders auf die älteren Bewohnerinnen und Bewohner, kaufte extra Wasser ein, fuhr die Gruppe mit ihrem grossen Bus in die Altstadt und organisierte einen griechischen Abend für uns. Die Woche war voller gemeinsam geplanter Aktivitäten: Rhodos-Stadt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus, eine Bootsfahrt nach Lindos, der Besuch eines Tierparks, ein Bootsausflug durch Buchten und Höhlen, Strand- und Pooltage. An den gemeinsamen Abendessen wurde tränengelacht. Ein Bewohner war so begeistert vom Schnorcheln, dass er einen Bootskapitän fast zur Vollbremsung zwang. Der Verlust war zum Glück nur ein Schnorchel. Die Lemuren im Tierpark sprangen auf unsere Schultern und Köpfe.
Und dann war da der Moment, auf dem die ganze Reise beruhte: Er stand im Meer. Etwas wacklig auf den Beinen – aber strahlend und glücklich.


ERFOLGSRECHNUNG

BILANZ


BILANZ

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Haus Harmonie
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Texte von Hassib Rasuli, Caroline Gerster
