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JAHRESBERICHT

2023

HAUS HARMONIE

Titelbild: Oliver Dübi, Bewohner Haus Harmonie
Bearbeitung mit AI von Adobe Photoshop

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VORWORT

Der starke Glaube daran, dass Veränderungen zum Positiven auch in scheinbar aussichtslosen Positionen möglich sind, hat mein Leben geprägt. In jedem Menschen steckt ein Funke, der zum Feuer entfacht werden kann; entscheidend ist es, den Zünder zu finden. Zuneigung, Verständnis und Liebe sind Brandbeschleuniger. 

Ein sicheres Umfeld, Akzeptanz und ein stressfreies Zuhause ermöglichen es, innere Ruhe zu finden. Veränderungen werden von aussen herbeigeführt, aber im Innersten umgesetzt. 

Um neue Wege zu beschreiten, hilft es, wenn man sich irgendwo festhalten kann. Wo sollen sich in die Jahre gekommene Menschen mit massiver Suchtproblematik festhalten können, wo ein sicheres Zuhause finden? 

Solche und ähnliche Fragen führten 2006 zur Gründung des Hauses Harmonie. Jacqueline und René Filli, beides Bewohner des Wohnheims Erzenberg, erarbeiteten mit mir ein Konzept und waren dann auch die ersten Bewohner der Harmonie. Ganz nach dem Motto des Vereins abri: Hilfe zur Selbsthilfe. 

Meinen aufrichtigen Dank an die beiden. Wir hatten eine Vision, die wir zusammen umgesetzt haben. Jacqueline und René waren ein Paar und haben in der Dorfkirche in Langenbruck geheiratet. Eine wunderschöne Erinnerung. Leider ist René etwa zwei Jahre nach der Eröffnung der Harmonie gestorben. In unseren Herzen und Gedanken lebt er weiter. 

 

Jahre sind vergangen, viele Menschen - Bewohner und Mitarbeiter - sind dazu gekommen, andere wieder gegangen. Heute haben wir ein volles Haus und sechs externe Wohnungen. Auch meine eigene Rolle hat sich sehr verändert. Zu Pionierzeiten der Harmonie war ich der grosse Bruder, etwa im gleichen Alter wie der Durchschnitt der Bewohner. 

nicht Jürg Lützelschwab

Vorwort
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BERICHT DER GESCHÄFTSLEITUNG

Das vergangene Jahr war geprägt von Veränderungen. Johann Wolfgang von Goethe beschreibt das Leben als dem Lebendigen angehörig und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein. So schön sich solche Zitate auch lesen lassen, so anspruchsvoll ist es, in unserer Berufspraxis angemessen auf Veränderungen zu reagieren und diesen im Alltag genügend Platz einzuräumen und den Bedürfnissen aller Beteiligten bestmöglich gerecht werden zu können. Die Harmonie ist das Zuhause unserer Bewohner*innen. Deshalb möchten wir unseren Bericht an erster Stelle euch widmen.

 

Liebe Bewohner*innen

Immer wieder stellen wir uns die Frage, wie wir erkennen können, ob wir Bedingungen schaffen, welche euch die Möglichkeit geben, euch zuhause zu fühlen. Wie könnt ihr euch entfalten und Zugang zu euren Ressourcen finden, welche euch die grösstmögliche Autonomie geben, eure Vorstellung von Lebensqualität umsetzen zu können? Eine wichtige Komponente sehen wir darin, den Regenschirm nicht aufzuspannen, solange es nicht regnet. Ihr seid Gestalter*innen eures Lebens und somit auch eurer Ziele. Wer sind wir, wenn wir eure Ziele - so utopisch sie manchmal auch erscheinen, nicht ernst nehmen und euch auf eurem Weg nicht begleiten und unterstützen würden? Wir vergleichen diese Unterstützung und Begleitung gerne mit einer Bowlingbahn. Die Bowlingkugeln stehen für eure Ressourcen, eure Ziele zu erreichen. Bunt, unterschiedlich gross, jede mit ihren Eigenschaften. Es gilt herauszufinden, welche Kugeln die richtigen sind, um eure Ziele zu erreichen. Ihr werft die Kugeln. Manchmal gerade, manchmal schief, manchmal schnell, manchmal langsam und manchmal kommen sie vom Weg ab.

Wir sind die Banden. Benötigt ihr Halt, Unterstützung oder einen «Schups» in die richtige Richtung, sind wir die Berührungspunkte.Wir sind an eurer Seite, solange ihr uns benötigt. Manchmal ist der Weg das Ziel und wir bleiben für immer an eurer Seite, manchmal ziehen wir uns zurück. Ist die Zeit gekommen, in welcher ihr ohne uns euren Weg bestreiten möchtet, fahren wir herunter und ihr werft eure gewählten Kugeln…die Kegel fallen ohne unsere Unterstützung. 

Wir danken euch dafür, dass ihr euch in diesem Jahr gegenseitig unterstützt habt, dass ihr auch manchmal mit uns nachsichtig wart und dass ihr die Harmonie täglich zu einem Ort macht, an dem wir gerne arbeiten, gemeinsam lachen, streiten und uns unterstützen. 

Nicht nur von unseren Bewohner*innen lebt die Harmonie, sondern auch von unseren vielfältigen, chaotischen und professionellen Mitarbeitenden. Dieser Dank geht an euch.

 

Lieber Jürg

Du hast dein «Kind», die Harmonie nun in unsere Hände gelegt, kümmerst dich aber weiterhin mit Herzblut als «Grossvater» um uns und unsere Bewohner*innen. Wir danken dir für dein grosses Vertrauen, deine Unterstützung und dein Ohr in diesem umbruchreichen Jahr. Deine langjährige Erfahrung gibt sowohl uns als auch unseren Bewohner*innen zusätzlichen Halt und die notwendige Sicherheit, um neue Projekte ins Leben zu rufen. Wir sind froh, dich als Mentor - aber noch viel wichtiger - dich als Freund an unserer Seite zu haben. 

 

Liebe Gabi

Du bist nun seit fünf Jahren bei uns und kümmerst dich täglich um das gesundheitliche Wohl unserer Bewohner*innen. Von aussen sieht man manchmal nicht, welche Arbeit dahintersteckt aber wir und unsere Bewohner*innen wissen, dass du jedem noch so kleinen «Kratzer» deine volle Aufmerksamkeit schenkst und unsere Bewohner*innen unnachgiebig motivierst, Sorge für ihre Gesundheit zu tragen. Danke für deine Hartnäckigkeit, deine endlose Geduld und deine Fürsorge. 

Bericht der Geschäftsleitung
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Liebe Jasna

Vor knapp vier Jahren hast du unser Büro umgekrempelt und unsere Administration auf Vordermann gebracht. Deine Stärken haben aber immer darin gelegen, unsere Bewohner*innen so anzunehmen, wie sie sind und ihnen in allen Lebenslagen empathisch zur Seite zu stehen. In diesem Jahr hast du das Büro verlassen, um im direkten Kontakt mit unseren Bewohner*innen den hauswirtschaftlichen Bereich neu aufzubauen. Wir danken dir für deine Empathie, deine Herzlichkeit und für deinen Mut, deine Komfortzone zu verlassen. 

 

Liebe Meret

In diesem Jahr hast du den Mut gefasst, eine Veränderung in dein Berufsleben zu bringen und uns deinen aussergewöhnlichen Lebenslauf zukommen zu lassen. So wie wir damals beeindruckt waren von der Erwähnung deiner Schildkröte in deinem Lebenslauf, so beeindruckt uns heute dein Wille, über dich selbst herauszuwachsen und deine berufliche Rolle zu festigen. Wir danken dir für deine Kreativität, deine aufgestellte Art und deine Fähigkeit, Menschen zu motivieren, ihre Fähigkeiten in den Bereich der Tagesstruktur einzubringen und auszubauen. 

 

Nicht bei uns in der Harmonie aber dennoch ein sehr wichtiger Part übernimmst auch du und dein Team, lieber Ruben. Wir danken euch für euren äusserst gewissenhaften Umgang mit unserer Buchhaltung und für euren Rat bei vielen anderen Anliegen und Fragen. Wir hoffen, ihr wisst, wie sehr wir die Zusammenarbeit mit euch schätzen.

 

Ein weiterer Dank geht an euch, liebe ehemalige Mitarbeitende. Im Jahr 2022 haben Simone Krois und Christine Rudin die Harmonie verlassen. Wir danken euch für die gemeinsame Zeit und wünschen euch auf eurem weiteren Weg alles erdenklich Gute. 

 

Nicht weniger wichtig für unser Bestehen, unsere Projekte und unsere Ideen ist unser Vorstand. 

Lieber Vorstand

Von Herzen danken wir euch, lieber Christian Burkhard, liebe Tatjana Zubanovic und lieber Markus Schnider, für eure fachkundige Unterstützung und für euer Vertrauen. 

 

Ein besonderer Dank geht dieses Jahr an dich, liebe Tatjana. Du ergänzt unsere Arbeit alle zwei Wochen mit deinen therapeutischen Gesprächen mit unseren Bewohner*innen- und manchmal auch mit uns;-). Somit trägst du zu Routine im alltäglichen Chaos bei und eröffnest uns neue Perspektiven, was wir und unsere Bewohner*innen sehr schätzen. 

 

Die Arbeit mit Menschen bedeutet auch immer, ihr Netzwerk kennenzulernen, sich zu verknüpfen und nicht vorhandenes aufzubauen. Besonders schön ist es, mit euch, liebe Eltern, Geschwister, Verwandte und Bekannte unserer Bewohner*innen ein Telefonat zu führen oder bei uns in der Harmonie einen Kaffee zu trinken. Die persönlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten, wieder aufzubauen oder neu zu gestalten, ist Teil unserer Unterstützungsleistung. Ein ebenso grosser Teil unserer Arbeit besteht darin, euch an jenen Punkten, in welchen ihr Unterstützung benötigt, dafür zu sorgen, dass ihr über ein stabiles professionelles Netzwerk verfügt. Dieser Dank geht daher an euch, liebe Angehörige, Freund*innen, Bekannte und an alle externen Fachstellen, welche uns und unsere Bewohner*innen auf ihrem Weg unterstützen und begleiten. 

Ein besonderer Dank geht in diesem Jahr an dich und dein Team, liebe Marie- Catherine Jost. Mit viel Geduld, Fachkompetenz und Flexibilität unterstützt ihr unsere Bewohner*innen und unser Team in Gesundheitsfragen. Herzlichen Dank für diese wertvolle Zusammenarbeit. 

Und auch euch, liebes Flexor-Team, möchten wir in diesem Jahr einen grossen Dank aussprechen. Ihr bietet unseren Bewohner*innen einen Ausgleich zum Institutionsleben und die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in euren geschützten Arbeitsplätzen einzubringen. 

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Institutionelle Fakten

 

Bewohner*innenbelegung

Im vergangenen Jahr hatten wir wenige Wechsel in unserer Bewohner*innenbelegung. Unser Haus verfügt zurzeit über 15 interne Plätze, welche zum Jahresende ausgelastet waren. Wir durften uns im Haus über drei Neueintritte freuen und zwei Bewohner haben im Jahr 2023 die Institution gewechselt. Zudem konnte ein Bewohner den Schritt in die Selbständigkeit gehen und seine bis dahin von uns angemietete Wohnung übernehmen.

 

Nebst den hausinternen Zimmern lebten im Jahr 2022 sieben unserer Bewohner*innen in Wohnexternaten. Wir verfügen sowohl über doppelt belegte Wohnungen als auch über Haushalte, welche von Einzelpersonen geführt werden. 

 

Mitarbeitende

Zum Jahresende 2022 bestand unser Team aus acht Mitarbeitenden. Zwei Mitarbeitende haben die Harmonie verlassen. Begrüssen durften wir dieses Jahr Meret Schreiber im Bereich Betreuung Tagesstruktur und meine Wenigkeit (Caroline Gerster), als stellvertretende Geschäftsleiterin. 

 

Projekte und Zukunftsblicke

Unser schönes Wohnhaus ist mittlerweile etwas in die Jahre gekommen. In diesem Jahr haben wir begonnen, uns mit einem Renovations- und/ oder Umbauprojekt auseinanderzusetzen, welches im kommenden Jahr in Angriff genommen werden soll. 

Des weiteren haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir unsere Tagesstruktur auch zukünftig vielfältig und attraktiv gestalten und ausbauen können. Im Jahr 2022 haben wir in Oberdorf zwei Lokale angemietet, welche im kommenden Jahr gemeinsam mit den Bewohner*innen renoviert und eingerichtet werden sollen. In den Lokalen soll ein keines Treffpunkt-Bistro und ein Verkaufs- und Ausstellungslädeli für unsere künstlerischen Einzelstücke aus dem Atelier, sowie Produkten aus unserem Garten und unserer Küche, entstehen. 

Im Namen des gesamten Vereins, der Bewohner*innen, der Geschäftsleitung und der Mitarbeitenden, bedanken wir uns bei all unseren Gönner*innen, welche uns in diesem Jahr mit kleineren und auch grösseren Spendenbeiträgen unterstützt haben. Herzlichen Dank an euch.

Caroline Gerster & Hassib Rasuli

Claudio
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WOHNEN HAUS HARMONIE

«Ich war 9 Jahre alt, als ich angefangen hatte zu trinken und kiffen. Mein Vater lagerte grosse Korbflaschen voll Rotwein im Haus, von denen ich heimlich und jeden Tag getrunken hatte. "Jetzt isch sie scho wieder fascht leer.", hörte ich ihn oft sagen, ohne dass er Verdacht geschöpft hätte. Im Alter von ungefähr 16 trank ich eine ganze Flasche pro Tag. Bei mir gab es keinen Kaffee am Morgen, sondern Chianti.

 

Nach der Handelsschule arbeitete ich im Bankverein Bümpliz, Bern. Ich habe Post eingepackt, Belege abgelegt und Einkäufe gemacht. Wegen der Rekrutenschule verliess ich diesen Job und habe schliesslich einige Jahre später eine Frau kennengelernt. Meine erste grosse Liebe hatte einen 3-jährigen Sohn, wohnte in Bern und konsumierte regelmässig Heroin und Kokain. Ich zog bei ihr ein und kündigte meinen aktuellen Job. Meine Familie versuchte mir ins Gewissen zu reden, doch ich liess mich nicht überzeugen. So vergingen einige Jahre und alle Tage sahen ähnlich aus, geprägt durch Konsum und Arbeitslosigkeit.

 

Wie der Alltag mit 25 Jahren aussah, kann ich dir erzählen.

Am Morgen zwischen 9 und 10 Uhr ging ich in die Beiz und traf dort meine Freunde. Wir tranken Bier und Wein. Gegen Mittag gingen wir nach draussen, assen etwas und machten uns wieder auf den Weg zurück. Wenn die Beiz um 23:30 Uhr ihre Türen schloss, gingen wir weiter zu einem Freund nach Hause, kifften und soffen weiter. Jeder Tag sah gleich aus. Finanziert wurde dieser Lebensstil durch Betteln und Einbrüche. Entweder stieg ich durchs offene Fenster oder trat die Türe ein, Hauptsache Geld.

 

Mit gefälschten Lohnausweisen bekam ich einen Kredit für 10'000.- und einen weiteren für 5000.-. Beim dritten Versuch fiel der Betrug auf. Ich landete schliesslich für 40 Monate im Gefängnis, verurteilt wegen Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl und Einbruch. 

Nachts sind wir aus dem Gefängnis gestiegen und haben es uns in der nächsten Dorfbeiz gemütlich gemacht. Als der Konsum eines Tages durch einen Atemtest aufgefallen ist, landete ich auf direktem Weg im Bunker. Und Bunker heisst Isolation, keine Zigaretten und keinen Kaffee. Ich erinnere mich an einen besonders freundlichen Wärter, der mich zwei Mal am Tag besucht und mit mir eine Zigarette geraucht hat.

«Bei mir gab es keinen Kaffee am Morgen, sondern Chianti.»

Nach der Zeit im Gefängnis wusste ich, dass ich etwas ändern musste. In Entlebuch wurde ich für eine stationäre Therapie angenommen. Diese Zeit hat mir sehr gut getan, ich konnte mich vom Konsum distanzieren und fand ein Jahr lang eine sinnvolle Struktur. Doch leider besuchte ich eines Tages am Wochenende meine Freundin und bin wieder abgestürzt, das alte Leben holte mich ein und stationäre Therapie war ein Kapitel der Vergangenheit. Wie es kommen musste, landete ich im Alter von 30 Jahren wieder im Gefängnis.

Endlich wieder frei, startete der zweite Versuch in Abstinenz. Ich lebte in einem grossen Haus bei meinen Eltern und Brüdern im Tessin, verbrachte den Tag mit Holzhacken und Gartenarbeiten, stand jeden Tag früh auf und genoss die Zeit mit meiner Familie. Eines Tages traf ich einen alten Freund von mir. Der alte Freund konsumierte Heroin und trank viel Alkohol. Es ging nicht lange und ich sass wieder täglich in der Beiz, nur dieses Mal im Tessin.

 

Die nächsten zwei Jahrzehnte verbrachte ich als Obdachloser in Basel, konnte aber dadurch, dass ich ein GA hatte, jede Nacht im Zug schlafen. An viele Jahre kann ich mich nicht erinnern, das Leben damals war immer gleich. Mit 55 Jahren entschloss ich mich dazu, in der PUK (heute UPK) einen Entzug zu machen. Während dem Aufenthalt wurde mir das Haus Harmonie vorgestellt. Ich war interessiert, das Haus hat mir gefallen und so kam es, dass ich nach dem Entzug meine erste Nacht in Langenbruck verbrachte. Im Haus hatte ich eine Beziehung mit einer Frau, mit der ich jeden Tag viel Wein getrunken habe. Es war jede Nacht ein Geschrei und Geklopfe und schon sehr bald stand ich kurz vor dem Rausschmiss. Diese Warnung löste etwas aus. Ich entschloss mich dazu, mich zusammenzureissen, denn ich wusste, dass dies mein Daheim ist. Seit diesem Tag und bald einem Jahrzehnt lebe ich abstinent. 

 

Langenbruck ist mein Zuhause, es liegt schön im Grünen. Das Team ist absolut genial, verständnisvoll. Man kann über alles miteinander reden. Es herrscht gegenseitiger Respekt, niemand ist herabwürdigend zu mir. Mit nun 64 Jahren bin ich froh, dass ich damals diesen Schritt gemacht hatte. Wer weiss, ob ich sonst noch leben würde.»

Claudio, Bewohner Haus Harmonie 
(Text: Dominic Bertschin)

Wohnen Haus Harmonie
Wohnexternate
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Ramona
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WERKSTATT / ATELIER / GARTEN

Das Jahr 2022 war auch im Atelier von Veränderung geprägt. Unter anderem bin ich im September 2022 zum Team dazugestossen. Die Bewohner*innen und ich haben die Zeit genutzt, um uns kennenzulernen. Wir haben viel diskutiert, auch manchmal gestritten, uns wieder vertragen, einiges gemeinsam verändert und Unbewährtes wieder rückgängig gemacht. Wir sind zusammengewachsen und haben uns schätzen gelernt. Nach diesen ersten Eindrücken ist das Atelier für mich ein Ort des Zusammenseins, der Kreativität und der Individualität. 

Unsere Bewohner*innen beleben die Tagesstruktur bereits einiges länger als ich, deshalb möchte ich euch in diesem Jahresbericht die Bereiche unter anderem durch die Augen unserer Bewohner*innen sehen lassen.  

 

Werkstatt

Unsere Werkstatt ist klein aber fein und mit allem ausgestattet, was es für Projekte und kleine Unterhaltsarbeiten am Haus benötigt. 

Eric erzählt mir über seine Projekte in der Werkstatt. Er ist besonders stolz auf die Bank, die er im letzten Jahr restauriert hat. Sie erstrahlt nun wieder in neuem Glanz. Dinge zu reparieren oder anderweitig wieder zu verwenden; der ressourcenschonende Umgang mit allem ist ihm, wie auch der Harmonie, wichtig. Seine Arbeit in der Werkstatt ist sehr vielfältig. Lampen montieren, Siphons entstopfen und diverse kleine, ab und zu auch grössere Reparaturarbeiten gehören in sein Repertoire. 

 

Atelier

Susi erzählt mir, dass sie im Atelier oft Lotto gespielt haben, immer freitags und es gab tolle Preise! Stefan berichtet über Grusskarten und Traumfänger, welche sie gemalt, gestaltet und geknüpft haben. Auch Ramona hat in diesem Jahr ihre Leidenschaft fürs Traumfängerknüpfen entdeckt. Diese dekorieren nun unseren Essraum. Es wurden Drachen gebastelt und Rico hat Becher und Dekoartikel aus Ton gegossen. Wir flicken Kleidung, schneiden Haare, lesen Bücher, spielen Billiard und nutzen die Jahreszeiten für unsere Dekorationen. 

Garten

Unser Garten ist ein lebendiger Ort. Oli unterhält ein Hochbett, in welchem er Gemüse und Kräuter anpflanzt. Diese wurden auch im Jahr 2022 in unserer Küche zu frischen Gerichten verarbeitet, eingemacht oder getrocknet. Auch sind die einheimischen Vögel im Winter 2022 nicht zu kurz gekommen. Unsere Bewohner*innen haben eigenständig Vogelfutter organisiert und dieses in unseren Bäumen verteilt. Auch werden Äste, Steine und Blumen, welche wir gemeinsam in unserem Garten oder der nahen Umgebung sammeln, zur Dekoration unseres Hauses verwendet. 

 

Unser Garten ist aber auch ein Ort der Ruhe und des Rückzugs; für manche auch die letzte Ruhestätte. Aus unseren Büros blicken wir auf fünf junge Bäume und erinnern uns gerne an die speziellen Menschen zurück, deren Asche unter diesen Bäumen weilt. Unter dem Apfelbaum liegt Peters Asche. Seine Passion war die Zubereitung von Apfelwähen. Mit Stolz und Wehmut konnten wir dieses Jahr die erste Wähe aus seinen Äpfeln zubereiten und geniessen. 

Meret Schreiber

Werkstatt Atelier Garten
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REINIGUNG

KÜCHE

Für manche ist Hygiene- sowohl körperlich als auch im Wohnbereich- selbstverständlich. Hygiene bedeutet Wohlbefinden, Selbstsicherheit und gesellschaftliches Ansehen. Doch was bedeutet Hygiene für unsere Bewohner*innen? Was bedeutet Hygiene für Menschen mit psychischen Problematiken? 

«Küche» bedeutet nach Definition: Raum zum Kochen, Backen, Zubereiten der Speisen. Bei uns ist die Küche Teil der hausinternen Tagesstruktur in welcher ein Teammitglied gemeinsam mit unseren Bewohner*innen ausgewogene Mahlzeiten plant und zubereitet, sowie für Hygiene und

Caroline Gerster

Jasna Zuber

Reinigung
Küche
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FREIZEITGESTALTUNG

GESUNDHEIT

Freizeitaktivitäten bieten nicht nur eine willkommene Abwechslung zu einem oftmals von Sucht geprägten Alltag, sondern fördern gleichzeitig die psychische und physische Gesundheit unserer Bewohner*innen. Beziehungen werden geknüpft und gestärkt, das Selbstwertgefühl wächst bei gemeisterten Herausforderungen und Bewegung stärkt Körper und Geist.

Wie im vergangenen Jahr war auch 2023 unsere mehrtägige Reise nach Locarno ein Highlight. Auch wenn die Hitze eher Plage als Segen war, motivierten wir uns jeden Tag für einen spannenden Ausflug. Ob wir nun schwitzend die faszinierende Vogelshow genossen, uns in den heimeligen Strandbädern im See abkühlten oder Zuflucht vor den unberechenbaren Hagelkörnern suchten, die Geschichten werden mit Melancholie erzählt. Fazit: Minus zwei Autos und unzählbare, schöne Erinnerungen.

Gezeichnet war das Jahr auch durch viele kleinere, aber nicht weniger unvergessliche Tagesausflüge. Auf der GoKart-Bahn in Lyss massen Team und Bewohner*innen ihre Fähigkeit, ohne Unfall um die Kurven zu schleudern. In der Sprisse in Pratteln und im Van der Merwe Center in Allschwil galt es als die zentrale Aufgabe, Bowlingkugeln nicht nur in die Rinne zu werfen und Laser Tag war - in Anbetracht der schon nach fünf Minuten eintretenden Ausbrüche des Schweisses - ein anstrengendes, lustiges und kompetitives Erlebnis.

Im Haus Harmonie können Bewohner*innen jederzeit mit eigenen Ideen zu uns kommen und solange der Vorschlag realisierbar ist und auf genügend positive Resonanz trifft, setzen wir die Wünsche um. Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr mit vielen Erlebnissen, die zu vergessen unmöglich sind.

Im vergangenen Jahr durfte ich in meiner Funktion als Pflegefachfrau im Schnitt zwanzig Bewohner*innen in gesundheitlichen Themen begleiten, beraten und unterstützen. Während wir uns ein Jahr zuvor eingehend mit den Schutzmassnahmen und einigen, glücklicherweise harmlosen, Covid-19-Erkrankungen befasst haben, hat sich der Fokus in diesem Jahr verschoben. Bei unseren langjährigen Bewohner*innen traten immer mehr Folgeerkrankungen im somatischen Bereich auf, welche einige diagnostische Abklärungen, wie auch medikamentöse Veränderungen/ Anpassungen, benötigten. 

Ebenso hat sich der Altersdurchschnitt unserer Bewohner*innen verändert. Jüngere Bewohner*innen mit psychiatrischen Problematiken, vorwiegend ausgelöst durch den Konsum psychotroper Substanzen, sind nun Teil unserer Gruppe. Die Betreuung und Begleitung gestaltete sich sehr intensiv und zeitaufwendig. 

Auch waren im vergangenen Jahr gewisse Medikamente nicht mehr lieferbar. Diese mussten mit teilweise grossem Aufwand durch andere ersetzt werden mussten. Einige unserer Bewohner*innen hatten grosse Mühe mit der Umstellung, doch im Grossen und Ganzen konnten wir auch diese Herausforderung gut meistern.

 

Die Zusammenarbeit mit Ärzt*innen in Liestal und Basel ist auf gutem hohen Niveau. Besonders möchten wir uns an dieser Stelle bei der Apotheke Gmünder in Oberdorf bedanken - für die stets angenehme und unkomplizierte Zusammenarbeit.

Dominic Bertschin

Gabriele Schöps

ERFOLGSRECHNUNG

BILANZ

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Freizeitgestaltung
Gesundheit
Erfolgsrechnung
Bilanz

BILANZ

BERICHT DER REVISIONSSTELLE

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Bericht der Revisionsstelle
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Haus Harmonie

 

Schöntalstrasse 19

4138 Langenbruck

 

062 390 02 35

harmonie@hausharmonie.ch

www.hausharmonie.ch

 

Spendenkonto

CH44 8080 8001 7173 2805 2

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